Manchmal kommt er ganz unerwartet. Er ist meistens ein ungebetener Gast und häufig verursacht er tiefe Schmerzen. Sensibel ist er nicht. Eher gleichgültig. Oft kommt er spontan, doch manchmal kündigt er sich schon früh an. Das macht Angst und zerfrisst innerlich. Vor allem wenn man ihm nicht entgegen wirken bzw. nicht entfliehen kann. – Dem Tod. Er hat böse Helfer, die den Körper leiden lassen und einen immer wieder daran erinnern, dass er kommt. Und irgendwann ist es soweit. Er reißt einen aus dem Leben und hinterlässt Trauer bei den Hinterbliebenen. Vor allem dann wenn er es auf junge Menschen abgesehen hat. Er fragt nicht – er handelt. Was man von ihm hält ist ihm egal. Und ich frage mich, was kann ich tun? Wenn ich einem Menschen unter 30 Jahren zusehen muss, wie er von den Ärzten sämtliche Hoffnung auf Leben entzogen bekommt, weil ihn eine unheilbare Krankheit zerfrisst. Dann kommt es wieder, dieses Gefühl der Ohnmacht und des inneren Schmerzes. Beschreiben kann man es nicht. Es ist als ob es einen innerlich zerreißen würde. Man hätte gerne eine rationale Lösung aber muss sich eingestehen, dass es diese einfach nicht gibt. Egal wen man fragt, egal wo man sucht, egal was man tut, ganz egal; man kann dagegen nichts tun. Man muss sich damit abfinden! Klar kann man beten. Doch wie groß ist das Vertrauen auf Gott, dass er da noch handelt? Man erkennt die Bindung an das Diesseits und muss sich die Worte Jesu immer wieder einreden: „In der Welt habt ihr Angst; aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden.“ (Joh. 16,33). Ja, das ist tröstlich. Auch das Wissen darum, wo der Mensch hingeht wenn es soweit ist, dass er, der Tod, ihn abholt. Er bringt ihn dahin wo es keinen Schmerz mehr gibt, dort hin wo man ewiges Leben bekommt. Zu Gott. Wenigstens eine positive Überlegung in diesem Gedankenwirrwar.
Doch noch ist der Kampf nicht zu Ende gekämpft, noch ist das letzte Gebet nicht gesprochen und die Hoffnung lebt, auch wenn sie geschwächt ist. Herr lehre mich zu beten und zeige mir was ich beten soll. Herr stärke die Hoffnung in mir und allen anderen Menschen. Gib uns Frieden ins Herz, egal was kommen mag. Lass die Freude am hier und jetzt überwiegen und nimm die Angst vor dem was kommen mag. Egal, was Du mir gibst, egal, was Du mir nimmst, Du bist und bleibst mein Gott, nur Dir gehört mein Lob!
Ich habe eben wieder mit zuhause telefoniert. Meine Mutter erzählte aus ihrem Kindergarten. Sie sagte. „Auf einmal kam eine Mutter herein gestürmt schnappte ihr Kind, rannte hinaus und rief ,Es ist ein Amokläufer unterwegs!´“ Daraufhin wurde der Kindergarten abgeschlossen und erst als nach zwei Stunden die Entwarnung kam wieder geöffnet. Die Tochter unserer Metzgerin ist eine Schülerin dieser Klasse und überlebte nur, weil eine Berufspraktikantin sich vor sie warf, sagt sie. Die Stimmung ist unglaublich schwer, gedrückt und so unfassbar schlimm. Der Schock sitzt tief. Und ausgerechnet jetzt soll eine Bibelwoche für Kinder in unserem Dörfchen bei Winnenden starten.
Und noch etwas: Die Seelsorger sind überlastet. Also die Nachfrage ist zu groß. Es werden dringend Seelsorger gesucht. Das Schwabenländle steht unter Schock. Bitte betet für Unterstützung. Betet für die Seelsorger und natürlich weiterhin für die Opfer und Angehörigen und Freunde.
Während sich die Polizei und Presse mit den Motiven des Täters befasst hat, habe ich gestern versucht mir Informationen über die Opfer einzuholen. Und zwar per Mail und telefonisch. Winnenden ist nicht weit weg von Backnang. Fast der Nachbarort. Deswegen kenne ich einige Leute die dort wohnen. Auch Freunde von mir wohnen oder arbeiten in Winnenden. Wenn man dann solche Nachrichten bekommt ist man natürlich erstmal geschockt. Also ich war das zumindest. Mittlerweile habe ich zumindest die Information, dass unter den Toten niemand ist, den ich kenne. Auch den Täter kenne ich nicht. Das macht die ganze Situation nicht weniger schlimm, aber es beruhigt mich zumindest etwas. Irgendwie bin ich auch froh jetzt nicht zuhause zu sein, da die Stimmung dort wesentlich gedrückter zu sein scheint. Hier in Marburg habe ich den nötigen Abstand um mit der Situation umgehen zu können.
Beten kann ich trotzdem. Ich kenne zwar niemanden direkt, aber ich habe festgestellt, dass ich Leute kenne, die wiederum ein paar betroffene Eltern kennen. Und nicht nur für die Eltern der Opfer, Angehörige und die Rettungskräfte usw. können wir beten, sondern auch für die Eltern des Täters.
Es war so schön. Allein schon die Fahrt war herrlich. Zu viert mit Gepäck sind wir in einem kleinen Twingo zunächst nach Bünde gefahren. Und auf der Fahrt hatten wir unseren Spaß. Hans-Christian, Mareike, Jasmin und ich fuhren zunächst zusammen mit Hans-Christians Freundin Rebecca zu einem Jugendgottesdienst oder besser gesagt, zu einer Lobpreisveranstaltung mit Input. Danach ging es zunächst nach Espelkamp, wo wir von Jasmins Familie in Empfang genommen wurden. Dort durften wir auch übernachten. Am nächsten Tag waren wir zunächst in Espelkamp, dann im Atoll und Abends dann in der Jugend von Jasmins Gemeinde. Das war sehr schön. Wir haben zusammen für verfolgte Christen in muslimischen Ländern gebetet und die Zeit miteinander genossen. Anschließend bin ich mit Jasmin und zwei ihrer Freundinen zunächst zu einem Griechen und dann in das Restaurant zur Goldenen Möwe gefahren. Dort saßen wir ein Weile zusammen, haben Kaffee getrunken und einen wahnsinns Spaß gehabt. Ich habe lang nicht mehr so viel gelacht.
Und dann am Sonntag ging es in den Gottesdienst in Espelkamp und nach dem leckeren Mittagessen wieder zurück nach Marburg. Es war eine sehr sehr gute Zeit und ich bin so dankbar, dass ich mit durfte und all das genießen konnte. Das Wochenende hat mir so unendlich gut getan auch wenn ich zugeben muss, dass ich etwas müde bin. Aber es war so gut. Im Gottesdienst durfte ich „Die Arche“ vorstellen und um Gebetsunterstützung bitten. In der Jugend habe ich eine Verbundenheit verspürt die mir Hoffnung auf Einheit in der Christenwelt gab. Die Gastfreundschaft von Hans-Christians und Jasmins Mutter war einmalig. Ich habe mich so wohl gefühlt! Ich danke Gott für dieses geniale Wochenende!
Müdigkeit, Lustlosigkeit und Frust erwachen derzeit in mir. Es sind zwar nur noch dreieinhalb Wochen bis zu den Ferien, aber diese sind gut gefüllt. Projekte, Referate und Vorträge, die es zu vorbereiten und zu halten gilt. Klausuren die noch geschrieben werden müssen und dann noch das schulbegleitende Praktikum und natürlich der reguläre Unterricht. Zur Zeit scheint mir irgendwie alles zu viel zu sein. Gott scheint nur noch von Ferne zuzusehen, die Bibel wirkt einschläfernd und die Gebete scheinen nichts weiter als Selbstgespräche zu sein. Der Heilige Geist ist fast vergessen und die Predigten scheinen länger und unpersönlicher zu werden. Das einzige Ziel sind die Ferien und weiter denkt man lieber nicht. Aber warum? Warum solch eine Erschöpfung? Dabei will ich doch für Jesus brennen, den Heiligen Geist spüren. Ich will, dass die Bibel wieder lebt und Gottes Wort zu mir spricht. Ich will mich auf die Gottesdienste freuen und für mich was mitnehmen. Ich will wieder mit Lust und Liebe beten und hören, ja einen Dialog mit Gott führen. Ich will wieder aufwachen und voller Motivation in den Alltag starten. Ja ich will, eine Beziehung zu Gott haben. Und Gott will das auch. Darum werde ich weiterbeten in der Hoffnung, dass sich bald wieder etwas tut.