Stefans Blog

  • Emergent Deutschland

    vernetzt mit Emergent Deutschland
  • Archive

  • Kategorien

Joe Porbley

Verfasst von Stefan am 4. November 2007

Joe PorbleyKennt ihr das, wenn etwas passiert, aber man realisiert es irgendwie noch nicht so richtig? Wenn auf einmal das Telefon klingelt und es ereilt Dich eine extrem traurige Nachricht, aber Du nimmst es ganz gefasst auf und reagierst so, als ob es etwas ganz normales wäre? Nach einer Weile Bedenkzeit hast Du vom Kopf her begriffen, was das für Konsequenzen hat und was das bedeutet. Also zumindest vom Kopf her. Aber anstatt zu trauern kommt Dir Dein Leben auf einmal so komisch vor. Es ist so als ob man selbst stehen bleibt und alles andere irgendwie an einem vorbeirauscht. Aber es fühlt sich nicht an wie Trauer, sondern irgendwie komisch eben. Und genau so ist es bei mir gerade irgendwie. Und warum? Mein Ziehvater liegt im künstlichen Koma auf der Intensivstation im Krankenhaus. Viel mehr weiß ich nicht. Im Kopf habe ich nur noch Stichworte wie “Wasser in der Lunge” “Nierenversagen - Dialyse” und “Er wird vielleicht nie mehr aufwachen und wenn doch, hat sein Gehirn höchstwahrscheinlich große Schäden”.
Mein Ziehvater, Joe, war für mich immer wie ein Engel. Ich kenne ihn nun seit ich sechs Jahre alt bin und er war immer für mich da. Er ist für mich sowas wie ein Vater. Jahrelang bekochte er mich und meine Schwester und kümmerte sich um uns. Er war immer für uns da und ist wie gesagt eine Art Vater für mich. Und jetzt? Jetzt werde ich ihn vielleicht nie wieder sprechen können? Das Ungewisse ist das, was mir so zu schaffen macht, auch wenn ich es mir nicht anmerken lassen will. Ich weiß, dass der Tod zum Leben dazu gehört und ich weiß, dass Gott einen Platz für Joe bereit hält. Joe, ein Afrikaner, genauer gesagt aus Ghana, ist mittlerweile 77 Jahre alt und hat so viel Leid erleben müssen in seinem Leben. Es sei ihm gegönnt nachhause zu gehen. Und ich? Ich würde gerne trauern. Ich würde gerne weinen, obwohl ich mich für ihn freuen sollte. Weinen - nur für ein paar Stunden. Aber es geht nicht. Stattdessen scheint das Leben an mir vorbeizurauschen. Einfach so…

Eine Antwort hinterlassen

XHTML: Du kannst diese Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>