Wenn man schon mal hier in Berlin ist, so dachte ich, sollte man sich auch mal den Weihnachtsmarkt anschauen. Nur welchen der vielen? Für mich lag es am nächsten in die Innenstadt zu fahren und da wurde ich auch fündig. Ein großer Weihnachtsmarkt mit viel Rummel. Als Schwabe war ich allerdings etwas schockiert von dem Anblick, der sich mir da bot. Statt der gemütlichen Atmosphäre von vielen kleinen Buden, die sich aneinanderreihen, gebrannte Mandeln, Glühwein und Punsch in einem märchenhaften Ambiente bot sich mir folgende Szenerie: Ein Karussell neben dem anderen, Losbuden, Geisterbahnen, kreischende Menschen auf einer Achterbahn, Kinder die sich zum Autoscooter drängelten, usw. Da musste ich meine Vorstellungen eines Weihnachtsmarktes neu definieren. Selbstverständlich gibt es unter all dem Zeugs auch gebrannte Mandeln und so, aber die Atmosphäre ist eine ganz andere. Und da ist der Weihnachtsmarkt in Berlin-Mitte nicht der einzige. Auch in anderen Stadtteilen liegt der Schwerpunkt mehr bei der Belustigung durch Fahrgeschäfte. Aber zum Glück sind nicht alle Berliner Weihnachtsmärkte so. Aber für jemanden wie mich sind die Berliner Weihnachtsmärkte nichts.
Zwar hat es heute nicht zum ersten mal geschneit, aber es bleib zum ersten mal liegen. Der Winter hat damit nun auch Berlin erreicht. Oder besser gesagt: Der Schnee. Denn kalt ist es schon etwas länger. Neues gibt es von meiner Seite kaum. Der Großteil meines Lebens spielt sich auf meiner Arbeit ab und darüber blogge ich hier bekanntlich nicht. Aber gut ergeht es mir dort nach wie vor. Ich merke, dass dies die Arbeit ist, die ich gerne mein Leben lang machen würde. Also die Arbeit mit Kindern meine ich. Ob ich für immer in der Arche bleibe hängt schließlich nicht von mir alleine ab. Aber ich bleibe realistisch. Denn genauso Hauch dünn wie der Schnee nun in Berlin liegt, so Hauch dünn sind meine Chancen in Hellersdorf zu bleiben. Dessen bin ich mir sehr wohl bewusst.
Was hat die Woche gebracht? Die eisige Kälte kam nach Berlin und somit auch das frieren. Aber kein Problem, das gehört zur Weihnachtszeit dazu und macht die Weihnachtsmärkte attraktiver. Ich habe diese Woche die Zeit genutzt um neben der Arbeit ein paar Bio-Schoko-Nikoläuse zu kaufen. Diese habe ich dann in der Nacht von Samstag auf Sonntag vor die Türen meiner Mitbewohner des Plattenbaus gestellt. Ganz anonym. Einfach so um ihnen eine Freude zu machen. Heute früh bin ich dann wie immer in den Gottesdienst gegangen und danach mit meinem WG-Kollegen Philipp essen gegangen. Und zwar in das China-Restaurant in dem unser chinesischer Mitbewohner arbeitet. Wir haben auch ihm natürlich einen Nikolaus und einen Bio-Lebkuchen mitgebracht. Er hat uns im Gegenzug ein Eis spendiert Zuhause wieder angekommen habe ich gelernt, dass auch ich viel telefonieren kann. Insgesamt habe ich über 5 Std. am Telefon verbracht und telefoniert. Es war eine gute Zeit, keine Frage, aber dabei habe ich meine Obdachlosen Freunde außen vor gelassen. Naja, nächste Woche dann wieder…
Achja, wen es noch interessiert: Auf Arbeit geht es mir unglaublich gut. Ich liebe meine Kinder von Tag zu Tag mehr und ich freue mich jeden Tag nach dem Aufstehen wieder in die Arche gehen zu können. Denn das Vertrauen der Kinder wächst und auch die Zahl der Kinder, die mir ihr Vertrauen schenken wächst. Und das tut mir gut und motiviert mich jeden Tag aufs neue.
Heute ist der erste Advent und irgendwie war er ein Tag wie jeder andere. In Berlin haben an den zentralen Plätzen sogar die Läden offen. Also ist wirklich irgendwie alles so wie immer. Man kann einkaufen, Essen gehen, kulturelle Veranstaltungen genießen und vieles mehr. So wie immer halt. So ist der Sonntag nichts besonderes mehr. Außer dass der Einzelfahrausweis an den Advent-Wochenenden als Tagesticket zählt ist alles gleich. So muss man den Tag eben selbst zu etwas besonderem machen. Und selbst das fällt mir schwer. Im Prinzip verlief der heutige Sonntag fast genauso wie der letzte. Ich war in der Gemeinde, habe mir was zu Essen gekocht und mich mit meinen obdachlosen Freunden getroffen. Es war ein schöner Tag, keine Frage, aber ich habe mir irgendwie erhofft, dass sich die Adventssonntage irgendwie von den anderen Sonntagen im Jahr abheben. Aber vielleicht müssen sie das auch nicht. Heute habe ich eine der Obdachlosen eingeladen mit mir und meinen Freunden Silvester zu feiern. So wie es aussieht wird sie dabei sein. Ich habe mich über die Zusage mindestens so sehr gefreut, wie sie sich über mein Angebot gefreut hat. Ich weiß nicht. Wenn ich die Obdachlosen auf dem kalten Boden sitzen sehe überkommt mich ein Gefühl von Mitleid und ich weiß nicht ob das richtig ist. Darum setze ich mich zu ihnen und frage nach. Ich rede mit ihnen obwohl ich weiß, dass ich ihnen damit kein bisschen weiterhelfen kann. Aber anstatt mich weg zu schicken freuen sie sich und kennen schon meinen Namen. Es ist ein gutes Gefühl da auf dem Boden mit ihnen zu sitzen und zu reden. Und das an den belebten Bahnhöfen. Die Menschen laufen an uns vorbei, zum Teil mit vollen Einkaufstüten oder dem Handy am Ohr. Viele schenken uns am Boden keine Beachtung oder strafen mit Verachtung. Und es wirkt so unwirklich. Während die einen konsumieren und überlegen, was sie noch alles brauchen, rede ich über Zahnschmerzen und den Wunsch nach einer Behandlung beim Zahnarzt. Ein Wunsch, der aufgrund von Geldmangel und der Tatsache, des nicht-versichert-seins verwehrt bleibt. Und während ich im Zug sitze lese ich noch immer Thomas’ Buch und bin so fasziniert von der Herausforderung und so gepackt von den Gedanken, die dieses Buch in mir auslöst, dass ich schon fast wieder lachen muss, wenn ich da mit den Obdachlosen am Boden sitze und mich mit ihnen über jeden Euro freue, den sie bekommen. Vielleicht ist das auch gut so. Vielleicht ist das meine persönliche Adventszeit.
Der heutige Tag war für mich etwas ganz besonderes. Nicht nur weil ich mal etwas neues gekocht habe, sondern der ganze Ablauf war so anders als für mich gewohnt. Okay, das Aufstehen war wie immer, doch nach dem Frühstück ging zum Gottesdienst der ICF und erfreute mich an der wunderbaren Predigt und den tollen Menschen. In der Predigt ging es heute übrigens um das Urteilen, Verurteilen und Lästern. Danach bin ich erstmal wieder nachhause gefahren und habe mir was gekocht und gegessen. Und danach habe ich mich einfach in die Bahn gesetzt und habe gelesen. Natürlich musste ich ab und zu umsteigen, aber immerhin habe ich die Hälfte von Thomas’ neuem Buch mit den Titel „Christsein in der Konsumgesellschaft: Nachdenken über eine alltägliche Herausforderung“ geschafft zu lesen. Bin bisher übrigens sehr begeistert davon. Das Ziel meiner langen Zugfahrt war die Berliner Stadtmission, in der meine ehemalige WG-Mitbewohnerin Rebecca ihr Praktikum machte. Dort genoss ich den Jugendgottesdienst, den sie mit den Jugendlichen gestaltete und redete hinter noch eine ganze Weile mit ihr und ihrer WG-Mitbewohnerin. Und danach fuhr ich wieder Richtung Heimat. Unterwegs traf ich beim Umsteigen zwei mal auf Obdachlose. Also auf verschiedene. Und beides mal hatte ich das Gefühl, dass ich mich dazu setzen sollte und das Gespräch suchen sollte. Und es war beides mal so unglaublich gut. Ich hatte so ehrliche und unter die Haut gehende Gespräche, dass ich momentan am überlegen bin, ob ich das nicht öfter machen sollte. Auf jeden Fall hatte ich heute einen durch und durch gesegneten Tag und bin froh, dass Gott mich heute so durch den Tag geführt hat.
Heute früh ging ich zu einem Termin mit LobbyControl, den ich in der Innenstadt wahrzunehmen hatte. Um dort hin zu gelangen musste ich einmal umsteigen und sah am Bahnhof ein Plakat hängen mit dem Aufdruck: „Wir haben online so viele Freunde, dass wir ein neues Wort für die echten brauchen.“ Das ist ein Slogan der Initiative „Sind wir reif„, die dazu dient um die Zeitung „Welt kompakt“ zu bewerben. Ich fand diese Aussage so gut, dass ich sie hier niederschreiben muss. Denn diese Aussage spricht das aus, über was ich mir hin und wieder ernsthafte Gedanken mache: Das Problem der Verlagerung unserer sozialen Kontakte raus aus dem echten Leben rein in das virtuelle Leben. Ich denke nicht, dass es schlimm ist eine Art zweites Leben im Netz zu haben, bedenklich wird es nur, wenn dieses Onlineleben mein Offlineleben überlagert oder gar ersetzt. Denn ich bin der festen Überzeugung, dass das echte Leben durch nichts zu ersetzen ist und dass das Onlineleben in der übertriebenen Form eher zur Depression als zur inneren Befriedigung führt. In unserer Welt geht uns immer mehr verloren, was wir dann krampfhaft versuchen künstlich wiederherzustellen. Und das sind unter anderem auch Beziehungen. Manche Leute verwahrlosen vor ihrem PC obwohl sie hunderte von Freunden bei Facebook, StudiVZ, Wer-kennt-wen oder Jappy haben. Was bringt es mir wenn ich online Unmengen von Freunde habe, wenn ich nach Feierabend nicht mehr aus dem Haus komme um echte Beziehungen zu leben. Nichts kann den persönlichen Kontakt ersetzen, den Blick des Gegenübers, die Wärme einer Umarmung oder das Gefühl echter Gemeinschaft. Näher kann ich es einfach nicht beschreiben, aber Fakt ist, dass es sich anders anfühlt, wenn ich den ganzen Abend online mit Freunden verbracht habe, als wenn ich den ganzen Abend bei Freunden war oder Freunde zu Gast hatte. Es lebe die Realität!
Mein Termin mit LobbyControl war übrigens eine lobbykritische Stadtführung, welche ich wärmstens weiterempfehlen kann. Die ganze Führung dauerte zwar knappe 3 Stunden, hat aber einen guten Einblick in die Arbeit von Lobbygruppen gegeben. Und auch diese arbeiten viel in der realen Welt, was nicht heißt, dass sie das Internet meiden…
Ich kann es nicht mehr hören! Ich habe mal im Internet geforscht wie viele Menschen jährlich allein in Deutschland an der „normalen Grippe“ sterben. Ich habe relativ unterschiedliche Zahlen gefunden aber sie befinden sich alle zwischen 15-20.000. Das heißt, dass ca. 15.000 Menschen pro Jahr allein in Deutschland an der Standart-Grippe sterben! Aber Panik wird deswegen in den Medien nicht gemacht. Ich halte das ehrlich gesagt für eine clevere Strategie der Pharmaindustrie und werde mich allein aus diesem Grund nicht dagegen impfen lassen! Ausnahme wäre natürlich, wenn ich dazu verpflichtet werden würde.
Heute war anlässlich des 20. Jahrestages des Mauerfalls in Berlin kräftig gefeiert worden. Die Hauptveranstaltung war das „Fest der Freiheit“ an dem sich hauptsächlich Politiker feiern ließen, aber auch Bürgerrechtler und andere kamen zum Zug. Das Highlight waren mit Sicherheit die 1000 Dominosteine, die am Schluss alle umgeworfen wurden um den Mauerfall symbolisch zu „wiederholen“. Ich war mit ein paar Leuten aus der Arche vor Ort, ca. 200 Meter seitlich des Brandenburger Tors beim Potsdamer Platz. Dort war die Stimmung schon ziemlich gut! Aber im Großen und ganzen war die Stimmung zwar sehr gut, aber insgesamt wurde von einigen wohl mehr erwartet. Zumindest glaube ich das aus den Gesprächen in den überfüllten Zügen herausgehört zu haben. Ich selbst habe die Stimmung, das Fallen der Dominosteine und das Feuerwerk sehr genossen und habe ehrlich gesagt gar nicht mehr erwartet als das, was da geboten wurde. Ich dachte mir schon, dass es hauptsächlich ein Abend für die Politiker wird und ich empfand auch genau das als den Schwerpunkt des heutigen Abends.
Es tut so gut so viele so tolle Menschen zu kennen, die man mag und die einen auch mögen. Es tut so gut Besuch von Freunden zu bekommen, auch wenn man sie schon zweieinhalb Jahre nicht mehr gesehen hat. Der heutige Besuch war für mich schon was besonderes. Caro aus dem schönen Ort Bannewitz hat mich heute in Berlin besucht. Wir kennen uns von der Silversterrüstzeit 2006 bei der ich damals als Schwabe unter Sachsen mitarbeiten durfte. Seither haben wir eher sporadisch Kontakt, aber wir verstehen uns super. Im April habe ich sie zusammen mit Marie und Clemens in Bannewitz mal besucht, aber sonst haben wir uns nicht mehr gesehen. Um so größer war dann die Freude als wir uns in Berlin wieder begegneten. Wir schlenderten ein wenig durch Steglitz, aßen ein Eis und Donuts und hatten eine wundervolle Zeit, die wir für Gespräche rege nutzten. Und dann gingen wir wieder auseinander. Jeder in seine Richtung. Jeder seinen Weg. Und irgendwann werden wir uns wieder sehen und die Freude wird wieder so groß sein wie heute. Es tut einfach gut, wenn man weiß dass man sich versteht. Es tut einfach so unglaublich gut!
Von Samstag bis zum heutigen Freitag war ich in Marburg am Marburger Bibelseminar. Dort fand die erste der vier BP-Wochen statt. BP steht, um es mal kurz zu erläutern, für Berufspraktikanten. Und das sind alle, die derzeit im Anerkennungsjahr sind. Und nun war es soweit, dass wir uns alle in Marburg wieder getroffen haben um Fortbildungen und Mentorengespräche zu haben. Aber auch Zeit für uns und für Austausch war genügend da. Und auch Freizeit gab es zu genüge. So war es für mich möglich, dass ich mich mit vielen Studierenden am mbs treffen konnte und viel geredet habe. Das war sehr sehr schön für mich. Ich habe die Zeit in Marburg sehr genossen und mich riesig darüber gefreut so viele Freunde wieder sehen zu können. Leider waren nicht alle da, aufgrund der Praktikumszeit, aber ich habe mich dennoch mit einigen unterhalten.
Am Sonntag war ich übrigens beim Studientag mit Shane Claiborne und Chris Haw. Viel neues gab es für mich nicht, aber das war nicht schlimm. Denn die beiden sprechen mir aus der Seele und ich höre ihnen gerne zu und lasse mich neu motivieren. Ich fand den Tag genial und habe mich auch hier gefreut viele bekannte Gesichter zu sehen und auch mit Leuten zu reden, die ich in Marburg dann nicht mehr gesehen habe. Alles in allem war diese Woche richtig wohltuend für mich. Ich habe zwar kaum geschlafen, da ich immer lange mit irgendjemandem geredet habe, und bin deswegen nun auch total müde, aber es hat sich gelohnt!